Thorsinson

THORSINSON

1716, März. Das Land ist vom Krieg zerrüttet. Karl XII. marschiert mit seinem Heer aus 7.000 hartgesottenen Mannen ins unvorbereitete Norwegen ein. Christiana fällt und die Festung Akershus kann nicht standhalten. Der Große Nordische Krieg verbreitet seine Schrecken. Doch auch in diesen finstren Zeiten geschehen täglich kleine Wunder.

 

Ganz in der Nähe des Kriegsschauplatzes wird ein starker Junge geboren, der einst die weite Welt bereisen soll. Thorsinson ist sein Name. Sohn des Thorsin, meisterhafter Bootsbauer und Held der Seeschlacht vom Dynekilen-Fjord, sowie der Wollweberin und -händlerin Thjorven.

 

Rasch zeigte sich das Interesse des Jungen an dem Bootshandwerk seines Vaters. Jeden Tag begleitete er ihn in die Trockendocks und half dabei die Bretter zu hieven, die Stämme zu schälen und zu Planken zu spalten. Wie seine Größe, wuchsen auch seine Muskeln und sein Geschick mit der Holzaxt.

 

Am Ende jeden Tages erinnerten seine Muskeln ihn an die geleistete Arbeit. Doch mit wahrhaftem Stolz erfüllte ihn jedes mal die erste Fahrt mit einem fertiggestellten Schiff hinaus in die eisigen Fjorde. Und so lernte er bei jedem weiteren Kahn, dass etwas tief in ihm keimte und wurzeln schlug. Die uralte Liebe seines Volkes zur offenen See und fernen, fremden Ländern.

 

Doch das Glück sollte nicht ewig währen. Innerpolitische Streitigkeiten und Nachwehen des Nordischen Krieges brachten Unruhe über das Land. Gier, Neid und Hunger trieben die Leute zu grausigen Taten. So traf es auch den kleinen Hafenort. Eine Kohorte von marodierenden Soldaten drang in das Dorf ein, plünderte und brandschatze. Nahm schließlich jedes Leben. Machtlos musste Thorsinson als einziger Überlebender zusehen wie seine Vergangenheit und Zukunft dem Flammenmeer übergeben worden waren. Tagelang irrte er an der Küste entlang, bis er schließlich den nächsten größeren Ort erreichte. Das Leben war brutal zu ihm.

 

Volle drei Jahre schlug er sich durch die Gossen von Christiana, bis er einen alten Freund seines Vaters aus Kriegstagen traf. Er nahm Thorsinson auf und lehrte ihm das Handwerk eines Fischers. Die Jahre zogen ins Land, bis der uralte Ruf des Meeres in seinem Blut immer stiller wurde. Nun kam der Tag im Jahre 1730, an dem sich das Blatt wenden sollte.

 

Und so kam es eines morgens, als ein kleiner Schoner Getreide, Bier und Wein aus Hamburg lieferte, dass Thorsinson seiner Heimat den Rücken kehrte und sie vielleicht nie mehr wiedersehen sollte.

 

An Bord des hansischen Schiffes brachte er eine um die andere Ladung in die Häfen der Nordsee. Doch das Geschäft wurde immer schwieriger und die Erlöse konnten schon lange nicht mehr mit jenen der Niederländer oder der Engländer mithalten. Schließlich war die Zeit der Pfeffersäcke zu Ende. Und somit auch die Ära des Thorsinson in den Häfen der Nordsee.

 

Die Ausbildung zum Bootsbauer, die Fischerei und viele Jahre auf See haben Thorsinson gestählt, aber auch viel Leid und Elend über ihn gebracht. Doch ein letztes großes Abenteuer erwartet ihn noch: Aus der Nordsee hinaus, über den Atlantik und die Küsten der neuen Kolonien erblicken. Ein Land, dass von Freiheit, Reichtum und Abenteuern erzählt. Amerika!

Die Reise begann und fand bereits in England, im Hafen von Liverpool ein jähes Ende. Doch jetzt, nach einige Rückschlägen und Tritten ins Gesicht, steht der stolze Nordmann im Jahr 1752 vor dem prachtvollen Rahsegler. Und wie er hörte, wird gerade eine Crew zusammengestellt.