Padjo

PADJO

Das Leben in Belfast und der Plantation Ulster war seid der Kolonisierung durch King James I. und seinen entsandten schottisch-britischen Siedlern nicht mehr dasselbe für einen katholischen Iren.

 

Dies spürte Padjo's Familie seid Generationen. Schließlich hatten seine Eltern die unterste Sprosse der Gesellschaft erreicht. Von Krankheit und Hunger geplagt, lebten sie als Lumpensammler und verkauften ihre mühsam zusammengeklaubten Leinenfetzen an die wachsende Leinenindustrie. Während immer mehr Katholiken sich der Unterdrückung verweigerten und den sozialen Aufstieg wählten, indem sie Protestanten wurden, verweigerten sich seine Eltern trotz ihres Mangels standhaft. Fest entschlossen sich dem weiteren sozialen Verfall entgegenzustemmen, verdiente sich Padjo seit frühesten Kindestagen etwas Geld in den Docks. Zwar waren seine Arme noch spindeldürr, doch auch die Talente der kleinsten konnten beim Be- und Entladen der hölzernen Kähne gebraucht werden.

 

Trotz des Zuverdienstes nagte die Familie weiter am Hungertuch. Krankheit und ein kalter Wohnverschlag machten das Leben nicht leichter. Also bemühte sich der junge Knabe um besser bezahlte Arbeit im Hafen. Geschickte Finger und flinke Bewegungen verschafften ihm immer wieder Anstellungen bei Dock- und Wartungsarbeiten der Segler. Mit der Zeit offenbarte sich sein wahres Talent. Hoch den Mast, ins Krähennest und hinab. Keiner war so schnell! Eine Wette, die er hielt! Der Schnellste und Flinkeste in ganz Belfast, wenn nicht gar ganz Irlands!

 

Mit manch einer Wette mit einem übermütigen Seemann aus fremden Häfen, machte Padjo bar Münze. Und wer sich einen Ruf macht, der macht auf sich aufmerksam. So hörte eine gefürchtete Pressgang aus den Docklands von seinen seltenen Fähigkeiten. Da ließ sich sicherlich gutes Geld rausschlagen. Ein flinkes Wiesel brachte mehr als nur ein läppisches Pfund!

 

Also lauerten sie Padjo nach einem harten Arbeitstag auf. Der Anführer des Schlägertrupps kam auf ihn zu, lobte ihn für seine fantastischen Kletterkünste und das solch eine kühne Leistung wohl mit einem frischen Ale belohnt werden sollte. Padjo war ahnungslos! Ein kühles Ale für seine geschundenen Knochen und seine trockene Kehle. Genau das richtige!

 

Aus einem wurden zwei, dann drei. Ein Whiskey zum löschen, in Strömen. Als er den letzten malzigen Tropfen in der Spelunke hinunter rinnen ließ klimperte ihm ein Schilling vom Boden des Bechers entgegen. Im nächsten Moment zog man ihm einen Leinensack über den Kopf. Ein Schlag auf den Kopf und das Licht ging aus.

 

Als er wieder erwachte, spürte er die wankende See unter sich, das Knarzen der Planken hallte in seinem Schädel nach. „Up the mast, landlubber!“, ertönte eine finstere Stimme über ihn und gab ihm den Knüppel zu kosten.

 

Shanghaied auf einem Schoner! Auf dem Weg nach Liverpool! Speck, Wolle und Unmengen von diesem dreimal verfluchten Leinen!

 

 

 

 

Liverpool 1852: Ein verdammtes Jahr in einer langen Reihe von verdammten Jahren!

 

Doch während der Umtriebigkeit der Verladearbeiten ergab sich der Moment der Freiheit. Es gelang ihm sich über Bord zu hieven und im Hafenbecken abzutauchen. Durchnässt und frierend stellte sich nun die Frage was zu tun war. Also verschwand er in der Masse und wartete einige Tage, bis der Schoner Richtung Westen den Hafen verließ. Zuerst verdiente er sich ein paar Schilling in den Docks, doch der Drang die Wellen unter sich zu spüren war größer. Zwar wusste er nicht viel vom Segeln und dem Leben eines Seemanns, doch hatte er von einem Ort gehört, an dem einem alles gelehrt wurde: Paddy Wests House.