Kanaka

KANAKA

Wie war das Leben vor all dem Gewesen? Friedlich, harmonisch, ohne Hunger und voller Liebe: Eintönig. Heute war alles anders!

Es begann 1742. Kanaka war mit seinen Männern mit dem Hokule'a, einem polynesischen Kanu, zum Fischen hinausgefahren. Da tauchte etwas am Horizont auf, das noch niemals zuvor dagewesen war. Zuerst meinten die Ältesten es sei ein riesiger Wal. Doch was er in den Himmel spie war kein Wasser, es waren riesige weiße Blätter, prall vom Wind. Minute um Minute nährte sich der Wal. Doch er war aus Holz und nicht aus Fleisch. Aber was er mit sich brachte, war das wahrhaftige Wunder.

Eine Schar von verschwitzten Männern mit dichtem Haar im Gesicht, bleicher Haut und den buntesten Kleidern kletterten auf dem Leib des riesigen Hokule'a. Es war die Expedition von George Anson, einem Admiral der British Royal Navy und Kapitän der Centurion.

 

Die Polynesier wurden sofort an Bord gezwungen. Ein Wunder der Kanubauer! 400 Mann hatten hier Platz. Lebten und arbeiteten hier. Zudem waren sie Krieger ihres Volkes. Doch ihre Waffen waren Stöcke aus Holz und Metall, die Feuer spuckten, wie Kanaka bei einem Kampf feststellen musste.

Ein anderes Schiff war Admiral Anson vor den Bug gesegelt, ein Schiff des spanischen Königs, wie man an der Flagge hoch oben am Mast erkennen konnte. Fasziniert und voller heißen Blutes warf sich der noch junge Kanaka in die Schlacht. Es war ein harter Kampf, doch am Ende legte Anson ihm Stolz die Hand auf die Schulter und nannte ihn von nun an John Kanaka.

 

In den nächsten Monaten und Jahren segelte er unter der Flagge eines Königs und eines Landes, welches er niemals gesehen hatte. Er lernte den Kriegs- und Schiffsdienst, Sprach die Zunge des weißen Mannes und bekam schließlich die Welt zu sehen, für die er seit Jahren kämpfte. Mutter England!

 

In England angekommen war er nicht nur von den Strapazen der Fahrt erschöpft, sondern ebenso überwältigt von so vielen Menschen, die in dunklen und kalten Steinhütten ihr Leben fristen mussten, gezwungen waren Dinge zu tun, die sie nicht tun wollten.

Schnell erkannte er sie als das was sie waren: Sklaven kleiner, glänzender Scheiben aus Silber und Gold.

 

So ging er das erste Mal von Bord und kehrte niemals mehr an die Seite seiner Kameraden zurück.

 

Doch die hektische Betriebsamkeit von London hielt ihn nicht lange. Die weißen plagten ihn, drängten ihn ständig dazu mit Ihnen zu kommen, zu ihren Freunden, ihren Kindern und Weibern. Doch nicht als Freund, sondern als Kuriosität aus fernen Ländern. Das ein oder andere Mal folgte er zu einem der gewiesenen Höfen, doch nie erwartete ihn dort Gutes.

 

Nicht länger gewillt den Gestank der Stadt und dem Drängen der Menschen standzuhalten, kam auch noch hinzu, dass ihm die glänzenden Scheiben aus den Taschen rannen. Und so entschloss der Kanaka, dass er dem Ruf des Goldes nie wieder Folge leisten wollte. Nie wieder der Herrschaft des Reichtums und der Gier unterwerfen!

So kam es, dass John Kanaka tief in sich hinein horchte und die längst vergessene und leise flüsternde Stimme von Kanaloa in sich entdeckte. Von ihm wollte er sich leiten lassen. So landete er schließlich im Hafen von Liverpool, vor einem stolzen Rahsegler und dem Willen England für immer den Rücken zu kehren.