Jan

JAN

Sylt im Jahre 1727: In einer kleinen Fischerhütte auf der Leeseite der Nordseeinsel erblickte der kleine, aber stramme Jan das Licht der Welt. Seine stolze Mutter musste den Klops von einem Baby allein zur Welt bringen. Allein war sie die meiste Zeit über, denn sein Vater war als Harpunier ein geachteter und gefragter Mann.Jahr ein Jahr aus fuhr er auf einer Schaluppe in die arktische Region um Grönland. Sein Ziel: die großen Wale auf ihrer jährlichen Wanderroute zu fangen.

 

Der Kleine wuchs dadurch die meiste Zeit ohne Vater auf, aber er merkte schnell, dass es seiner Familie dadurch sehr gut erging. Zumindest im Vergleich zu seinen Freunden und den anderen Insulanern. Denn gut bezahlte Arbeit gab es dort nur wenig. Deshalb viel für ihn schon in jungen Jahren der Entschluss es seinem Vater gleichzutun und sobald er das rechte Alter erreicht hatte, wollte er sich seinem Vater anschließen und mit ihm in das Nordmeer aufbrechen.

Als er seinem Vater davon berichtete, dass er in seine großen Fußstapfen füllen wolle, versuchte dieser ihn davon abzubringen. Er wusste um die Gefahren des entbehrungsreichen Lebens und welchen Preis es von einem jeden Mann forderte. Doch was sich der kleine Jan in den Kopf setzte, dass verfolgte er auch. So lernte er alle Knoten die er brauchte, lernte beim Schmied des Dorfes das Fertigen von hochwertigen Harpunen und baute sich ein wackliges Floß, um zwischen Sylt und Amrum seine ersten Fischen zu jagen.

 

Im Alter von 16 Jahren war es schließlich so weit. Doch weder Mutter noch Vater wollten diese Zukunft für den inzwischen breitschultrigen Sohn. Also heuerte er ohne das Wissen seiner Eltern an Bord eines Walfang Schoners an, der Meerbreker. Das Nordmeer war das Ziel.

Schon auf seiner ersten Fahrt machte er sich einen guten Ruf als Harpunier und erlegte den größten Fang: Einen stolzen Pottwalbullen. Zudem zeigte er jeden Tag seinen Wert, denn niemand schärfte die Harpunen und Messer so wie er. So kam er nach einem langen und kalten Winter wieder in die Heimat, die Taschen voll Geld und einem Seekoffer voller feiner Waren, die er in den Häfen von England und Hamburg für seine Familie gekauft hatte. Gut gelaunt und mit einem breiten Grinsen kam er Heim. Doch musste er voller Erschrecken feststellen, dass das Elternhaus in einem desolaten Zustand war. Als er durch die Haustür stürmte, fand er den trunkenen Vater vor. Und unter großen Tränen erfuhr er von ihm über das traurige Schicksal, dass seine Mutter ereilt hatte. Während einer üblen Springflut, war sie draußen umhergegangen und von einer mächtigen Welle gepackt worden! Der Blanke Hans hatte seinen Tribut gefordert und seine Mutter in die Tiefen seines Reiches gezogen.

 

Voller entsetzen machte Jan kehrt und heuerte nach einigen Wochen auf dem Festland voller Zorn und Trunkenheit auf dem nächsten Walfänger an. So fuhr er für viele Jahre in den Norden und brachte Tod und Verderben über die Wale. So unterdrückte er die schmerzhaften Erinnerungen, ergoss seine Wut über den Blanken Hans und nahm ihm seine Kreaturen. Dies machte er einige Jahre das Schicksal zuschlug und das Nordmeer an ihm Rache nahm.

Ein Feuer brach während eines rauschenden Sturmes in dem mit Walfett voll beladenen Rumpf aus. Die Flammen verzehrten das Schiff und schickten es zum Grund der See. Doch der Lebenswille in Jan war stark und so überlebte das Unglück mit knapper Not. Tagelang trieb er mit seinem Beiboot als einziger Überlebender auf offener See, bis die erhoffte Rettung in Form eines englischen Walfangschiffs kam.

Seine Retter segelten unter britischer Flagge mit dem Zielhafen Liverpool. Nun wollte er rasch zurück in die Heimat, denn während der Tage allein auf offener See, erfasste ihn die Sehnsucht und der Wunsch alt bekanntes zu sehen. Aber als mittelloser Harpunier ist es nicht leicht eine Überfahrt nach Preußen zu bekommen. Um sich vorerst Überwasser zuhalten, arbeitete er in der Seemanns Taverne und Alehouse „The Hub“ als Küchenhilfe. Doch nie reichte das Geld, um etwas auf die Hohekante zulegen. Und somit musste er mehr Pfund verdienen, um sich die Überfahrt leisten zu können. Nun sieht er sich am Old Dock vor einem blank polierten Rahsegler wieder, der anscheinend schon manch große Fahrt bestritten hatte.